Fair Trade Mythen #2

Die bekanntesten Aufreger im Faktencheck

Wir alle kennen das: Kommt das Gespräch im Bekanntenkreis aufs Thema Fairer Handel, gibt es meist jemanden, der behauptet, das wäre sowieso alles nur schöner Schein. Der Anteil an fairen Zutaten in den Produkten sei zu gering und die Mehrerlöse aus dem Fairen Handel kämen bei den Produzent:innen gar nicht an. Immer wieder begegnen uns Missverständnisse über Fair Trade in der öffentlichen Wahrnehmung. Die gängigsten Mythen wollen wir in unserer neuen Blog-Serie beleuchten und überprüfen.

MYTHOS #02

„Nur ein Bruchteil des Verkaufspreises von Fair Trade-Produkten landet tatsächlich bei den Produzent*innen“

Wenn wir uns die Fakten anschauen, wird schnell klar, warum dies nicht stimmt. Wir nehmen als Beispiel Fairtrade Kaffee. Zunächst einmal wird der Endverkaufspreis, den Verbraucher:innen zahlen, allein vom Einzelhandel festgelegt. Der Faire Handel hat darauf keinen Einfluss, kann nur eine unverbindliche Preisempfehlung geben. Nicht zu verachten sind außerdem die Steuern, die im Endverkaufspreis inbegriffen sind, in Deutschland die Mehrwert- und die Kaffeesteuer.

Doch Produzent:innen erhalten ihre Bezahlung schon lange bevor die Kaffeetüte im Regal landet. Und zwar sobald sie ihre Ware an den nächsten Akteur in der Lieferkette verkaufen (Exporteur:in oder Importeur:in). Bei Kaffee ist die Ware Rohkaffee, also ungeröstete grüne Kaffeebohnen.
Für Fairtrade Kaffee ist genau festgelegt, wie viel Geld bei den Produzent:innen ankommen muss. Bei Arabicabohnen sind das z.B. mind. 3,53 USD pro kg Rohkaffee. Egal, wie günstig oder teuer der Fairtrade Kaffee im Laden verkauft wird: es müssen immer 3,53 USD an die Kaffeebäuerin oder den Kaffeebauern bezahlt werden.

Genauer betrachtet wird es noch komplexer: diese 3,53 USD werden für das Kilo Rohkaffee bezahlt. Beim Röstvorgang gehen aber ungefähr 20% des Rohkaffees „verloren“, weil durch die Röstung dem Rohkaffee Flüssigkeit entzogen wird und dadurch das Gewicht abnimmt.
Im Ergebnis könnte man also sagen, dass in der 1kg Tüte Kaffee 1,2kg Rohkaffee drin sind. Das bedeutet wiederum, dass die Kaffeebäuerin oder der Kaffeebauer nicht nur mind. 3,53 USD von jeder 1kg Tüte Kaffee bekommt, sondern 4,23 USD pro 1kg Tüte Kaffee.

Wir als Würzburger Partnerkaffee e.V. zahlen freiwillig sogar noch mehr. Warum? Weil wir sehen, dass dieser Preis für die Lebensverhältnisse im Süden Tansanias nicht genügt, um ein einigermaßen menschenwürdiges Leben zu leben. Aus diesem Grund zahlen wir an die Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern 5,40 USD pro 1kg Tüte Kaffee.
Weil wir obendrauf noch unsere Projektförderung in Höhe von 0,85 USD (entspricht 0,76 €) zur Entwicklungszusammenarbeit nach Tansania spenden, bedeutet das am Ende, dass bei uns ca. 6,25 USD pro 1kg Tüte Kaffee Menschen in Tansania zugutekommen.

Wollt ihr wissen, wie viel beim konventionellen Handel bei der Kaffeebäuerin oder dem Kaffeebauern ankommt? Im Durchschnitt sind das ca. 2,38 USD pro 1kg Arabica-Rohkaffee. (Quelle: finanzen.net GmbH, Kaffeepreis Durchschnitt 2020)

Entscheidet selbst…

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