Fair Trade Mythen

Die bekanntesten Aufreger im Faktencheck

Wir alle kennen das: Kommt das Gespräch im Bekanntenkreis aufs Thema Fairer Handel, gibt es meist jemanden, der behauptet, das wäre sowieso alles nur schöner Schein. Der Anteil an fairen Zutaten in den Produkten sei zu gering und die Mehrerlöse aus dem fairen Handel kämen bei den Produzent*innen gar nicht an. Immer wieder begegnen uns Missverständnisse über Fair Trade in der öffentlichen Wahrnehmung. Die gängigsten Mythen wollen wir in unserer neuen Blog-Serie beleuchten und überprüfen.

Gut zu wissen: „Fairtrade“ wird immer dann zusammengeschrieben, wenn es um Transfair e.V. und das zugehörige Fairtrade-Siegel geht.
„Fair Trade“ als zwei Wörter geschrieben heißt einfach auf Englisch „Fairer Handel“ und wird oft alternativ zum deutschen Begriff verwendet.

MYTHOS #01

„Fair Trade-Produkte bestehen nicht zu 100% aus fair gehandelten Zutaten.“

Das Fairtrade-Siegel von Transfair e.V.

Die Antwort darauf ist tatsächlich komplex. Der Faire Handel ist ein weites Feld. Es gibt Hersteller, die seriösen fairen Handel betreiben, sich aber nicht von einer externen Prüforganisation wie FLO-CERT (Transfair e.V.) oder WFTO zertifizieren lassen. Eine solche Zertifizierung ist die Voraussetzung für die Verwendung eines Fair Trade Siegels auf der Verpackung. Sie ist aber auch mit hohen Kosten verbunden.

Wir sind zum Beispiel von FLO-CERT zertifiziert und unterliegen strengen Kontrollen, haben uns aber bewusst entschlossen, das zugehörige Fairtrade-Siegel nicht auf unsere Verpackung aufzubringen. Denn dafür müssten wir zusätzlich noch Lizenzgebühren an Transfair e.V. zahlen und dies würde unseren Kaffee teurer machen. Dennoch unterliegen wir aber denselben Vorgaben und Regeln wie alle Hersteller von Fairtrade-Produkten.

Bei Produkten mit dem Fairtrade-Siegel gilt immer: Alle Zutaten, die es aus fairem Handel gibt, müssen auch vollständig fair gehandelt sein. Produkte mit nur einer Zutat müssen also zu 100% fair gehandelt sein. Das sind sogenannte Monoprodukte wie Reis oder Kaffee. Bei uns kommt ausschließlich zu 100% fair gehandelter Kaffee in die Tüte. Das garantieren wir und dies lässt sich in unserer kompletten Lieferkette belegen.

Es gibt aber auch Mischprodukte mit mehreren Zutaten, zum Beispiel bei Schokolade. Bei der absoluten Mehrheit der Fairtrade-Mischprodukte liegt der Anteil fair gehandelter Zutaten bei weit über 50%. Der genaue Anteil steht immer auf der Produktverpackung, muss aber mindestens 20% betragen. Doch das ist auch der größte Kritikpunkt am Fairtrade-Siegel: 20% sind relativ wenig – denn das heißt schließlich 80% des Inhalts sind in diesem Fall nicht fair gehandelt. Deshalb ist dieses Siegel auch in Fair Handels-Kreisen nicht unumstritten. Schaut man aber genauer hin, wird klar, dass es manche Zutaten wie Milch, Wasser oder Eier gar nicht aus fairem Handel gibt.
Bei anderen Prüforganisationen sind die Regeln teilweise strenger und der Anteil fair gehandelter Zutaten in Mischprodukten muss höher sein. Das Siegel Fair For Life von Ecocert verlangt zum Beispiel einen Anteil von mindestens 80% fair gehandelter Zutaten bei Lebensmitteln.


Fazit: Monoprodukte wie Kaffee sind immer zu 100% fair gehandelt, Mischprodukte nicht zwingend. Abhängig ist der Anteil fair gehandelter Zutaten von den Vorgaben der Prüforganisation.
Wer sich als Verbraucher*in unsicher ist, der findet Beratung im Weltladen vor Ort. Hier wird sehr genau darauf geachtet, dass ausschließlich vertrauenswürdige Produkte im Regal landen, die das Merkmal „fair gehandelt“ verdienen.

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