Unser Mann in Mbinga – Interview mit David Haule

Von der nächstgelegenen Stadt Mbinga ist man aufgrund der schlechten Straßen etwa eine Stunde unterwegs zum kleinen Dorf Mahenge, dem Sitz unserer Partnerkooperative. In Mahenge Village gibt es keinen Internetanschluss. Die meisten Bäuerinnen und Bauern sprechen kein oder nur sehr wenig Englisch. All das macht die Kommunikation zu unseren Partner*innen zur Herausforderung. Für uns war deshalb klar, wir brauchen jemanden vor Ort, der als Schnittstelle fungiert und uns auf dem Laufenden hält. Wir fanden diese Person in David Haule von der Kaffeefabrik in Mbinga. Heute wollen wir ihn in einem Interview vorstellen.

Lieber David, bitte erzähle uns ein wenig über dich, deinen Werdegang und deine Familie.

Mein Name ist David Amon Haule. Ich kam 1976 als Jüngstes von sieben Geschwistern zur Welt. Nach dem Abschluss der höheren Schule machte ich eine Ausbildung zum Lehrer und arbeitete zunächst in diesem Beruf. Nebenher schrieb ich mich an der Mzumbe University ein und studierte Business Education Marketing Management. Seit 2011 arbeite ich hauptberuflich bei der Mbinga Coffee Curing Company (Kaffeefabrik Mbinga) als Marketing Officer.

Ich bin verheiratet und habe einen Sohn. Meine Frau Melabi Malamla arbeitet als Lehrerin in einer weiterführenden Schule. Da wir eine Großfamilie sind, unterstütze ich meine Brüder und Schwestern. Sechs ihrer Kinder leben bei uns.

Du bist in Tansania für uns tätig. Bitte erzähle uns ein bisschen über deine Arbeit für den WüPaKa.

Seit 2016 arbeite ich für den Würzburger Partnerkaffee e.V. als Kommunikationsmanager. Ich bin Verbindungsmann zwischen der Kooperative Mahenge Amcos und dem Partnerkaffee und stelle sicher, dass beide Seiten informiert sind und in engem Austausch stehen.

Außerdem berichte ich über alles Wissenswerte, das in der Kooperative vor sich geht und das Leben der Kaffeebauern. Von Terminen und Veranstaltungen der Kooperative mache ich Fotos für die Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland.

Du arbeitest auch für die Kooperative Mahenge Amcos. Welche Tätigkeiten umfasst das?

Meine Verantwortungsbereiche für Mahenge Amcos sind Folgende: Ich arbeite als Kontaktperson für FLO-CERT um sicherzustellen, dass alle Fairtrade Standards eingehalten werden. Zudem bin ich für Mahenge Amcos als Berater in allen Fairtrade-Fragen tätig und helfe der Kooperative beim Marketing.

Hast du noch weitere Jobs?

Neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Marketing Officer in der Kaffeefabrik Mbinga und meiner Teilzeitarbeit für Mahenge Amcos und den Partnerkaffee leite ich einen kleinen Familienbetrieb, der Videos produziert und Fotografie anbietet. Wir wollen in der Zukunft zusätzlich eine Druckerei eröffnen.

Im Jahr 2018 warst du zu Besuch bei uns in Würzburg. Wie war es für dich, zum ersten Mal in Deutschland zu sein? Hat es deine Sicht auf den deutschen Kaffeemarkt verändert?

Mein Besuch in Deutschland hatte große Bedeutung für mich. Zuerst einmal gab es mir die Gelegenheit, erstmals außerhalb des afrikanischen Kontinents zu reisen. Zweitens erhielt ich dadurch ein umfangreiches Verständnis fürs Kaffeebusiness. Mir wurde klar, dass Kaffee eins der wichtigsten Konsumgüter weltweit ist. Die Menschen in Europa trinken mehr Kaffee als andere Heißgetränke. Viele der Restaurants, die wir besuchten, hatten Espressomaschinen.

Drittens besuchte ich mit Susann (AmdR: Susann Scharrer, unsere Mitarbeiterin für Design und Öffentlichkeitsarbeit) einige Supermärkte und Weltläden. Hier erfuhr ich, dass von Konsument*innen zertifizierter Biokaffee bevorzugt wird.

Das ist eine große Herausforderung für den in Tansania produzierten Kaffee, da dieser meist konventionell und nicht bio ist. Tansanische Kaffeeproduzent*innen müssen versuchen, ihre Anbaumethoden hin zu bio zu verändern, wenn sie auf dem europäischen Kaffeemarkt bestehen wollen.

Was ist deiner Erfahrung nach der wichtigste Unterschied zwischen Fairem Handel und konventionellem Kaffeehandel?

Für Produzent*innen bietet der konventionelle Handel wenig Anreize wegen des niedrigen erzielten Preises. Fairer Handel erhöht die Motivation. Dafür sind im konventionellen Anbau die Produktionskosten niedriger, da keine spezifischen Standards erfüllt sein müssen. Für Fair Trade Kaffeeanbau müssen die Farmer*innen erst geschult werden.

Dafür bietet der Faire Handel den großen Vorteil bezuschusster Schulungen und der Prämienzahlung, die in soziale Gemeinschaftsprojekte der Kooperative fließt und so den Lebensstandard verbessert. Auch gibt es für fair gehandelten Kaffee einen spezifischen Markt.

Was sind einige der größten Herausforderungen für tansanische Kaffeefarmer*innen?

Tansanische Kaffeefarmer*innen stehen vor vielen Herausforderungen, darunter:

1. Kaum Wissen über den Zugang zum Kaffeemarkt
2. Hohe Verschuldung, um die Produktionskosten zu decken
3. Hohe Kosten für Pestizide und Düngemittel
4. Verschiedene Steuern und Gebühren im tansanischen Kaffeehandel
5. Schwankender Kaffeepreis sowohl auf lokalem als auch internationalem Markt
6. Zu wenig Wissen über Kaffeeanbaumethoden
7. Unberechenbare Wetterbedingungen

Was wünschst du dir für die Zukunft von Mahenge Amcos?

Die Zukunft von Mahenge Amcos hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie

1. Marktstablilität
2. Nachhaltige Produktion
3. Einbindung der Jugend in die Kaffeeproduktion
4. Stabilität im Vorstand und Management mit einer Zukunftsvision

Wenn diese Faktoren nicht ernst genommen werden, kann das die gesamte Zukunft der Kooperative beeinträchtigen. Doch seit sie mit dem Partnerkaffee Handel betreibt, ist sie eine von nur zwei Organisationen im Bezirk Mbinga, die als Beispiel dafür dienen, was man an Entwicklung für die Mitglieder und die gesamte Gesellschaft tun kann. Es ist erstaunlich, wie sich das Einkommen der Mitglieder wegen des besseren Kaffeepreises erhöht hat. Die Kooperative hat mit aus dem Fairen Handel stammenden Geldern die Renovierung der Dorfschule unterstützt und hilft, eine Dorfapotheke zu bauen. Und das aktuelle große Bauprojekt einer weiterführenden Schule wird nach Fertigstellung der Kooperative und der Nation zugute kommen. Diese Schule wurde stark von euch unterstützt, durch die Prämienzahlung und andere Spenden. Ich glaube, dass deshalb auch die Zukunft der Schule stark vom Partnerkaffee abhängt und davon, dass diese Handelspartnerschaft weiterbesteht.

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